Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Geschützte Landschaftsbestandteile

Geschützte Landschaftsbestandteile (GLB) sind gemäß § 29 Abs. 1 BNatSchG "rechtsverbindlich festgesetzte Teile von Natur und Landschaft, deren besonderer Schutz erforderlich ist

  1. zur Erhaltung, Entwicklung oder Wiederherstellung der Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts,
  2. zur Belebung, Gliederung oder Pflege des Orts- oder Landschaftsbildes,
  3. zur Abwehr schädlicher Einwirkungen oder
  4. wegen ihrer Bedeutung als Lebensstätten bestimmter wild lebender Tier- und Pflanzenarten."

Schutzgegenstand

Geschützte Landschaftsbestandteile (GLB) sind, wie auch Naturdenkmäler (ND), ein Instrument des Objektschutzes. Als Besonderheit weist die Kategorie der GLB jedoch Elemente des Flächenschutzes auf. Demnach können sowohl Einzelobjekte als auch Objektgruppen (z. B. Allee) oder Objekte mit einer flächenhaften Ausdehnung (z. B. Dorfweiher, Streuobstbestände) Schutzgegenstand sein. Eine Maximalgröße wird für GLB im Gesetzestext nicht angegeben. Entscheidend für die Eignung als GLB ist die Identifizierbarkeit eines konkreten Objektes als Teil einer Landschaft. Flächen, die eine vollständige Landschaft darstellen, sind als Schutzgegenstand i. S. des § 29 BNatSchG nicht geeignet. Für genau abgrenzbare Gebiete ist die Unterschutzstellung aller Objekte des gleichen Typus (z. B. aller Baumveteranen innerhalb einer Gemeinde) erlaubt. GLB können belebte oder unbelebte Teile von Natur und Landschaft sein, z. B. Pflanzen oder Bodenformationen. Sie müssen jedoch ortsfest und dauerhaften Charakters sein. Geläufige Beispiele für geschützte Landschaftsbestandteile sind Bäume, Hecken, Raine, Alleen, Wallhecken, Feldgehölze und Wasserläufe. Weitere Beispiele finden sich am Ende dieses Beitrags und in der unten angegebenen Literatur.

Historisches

Die Schutzgebietskategorie der GLB ist aus dem § 5 "sonstiger Landschaftsteil" des Reichsnaturschutzgesetzes (RNG) von 1935 hervorgegangen. Dieser enthielt die Grundlagen für die heutigen Landschaftsschutzgebiete und GLB. Vorrübergehend existierte in der Gesetzgebung der DDR keine Entsprechung zu den geschützten Landschaftsbestandteilen, bis 1970 und 1989 die Schutzgebietskategorien "Geschützte Parks" und "Ökologisch bedeutsame Bereiche" eingeführt wurden. Heutzutage finden GLB insbesondere Anwendung in den Baumschutzsatzungen/ -verordnungen der Gemeinden.

Abgrenzung zu Naturdenkmälern (ND)

Sowohl Naturdenkmäler (ND) gemäß § 28 BNatSchG als auch geschützte Landschaftsbestandteile zählen zu den punktuellen bzw. kleinflächigen "Schutzgebieten" Deutschlands. Theoretisch erfüllen viele Objekte die Anforderungen für beide Kategorien und könnten demnach als ND oder als GLB ausgewiesen werden. Im Unterschied zu Naturdenkmälern können GLB jedoch vom Menschen geschaffen worden sein, solange sie zum Zeitpunkt ihrer Unterschutzstellung als Teil von Natur und Landschaft erkennbar sind (z. B. Friedhöfe, Parks) und ihre frühere Nutzung aufgegeben wurde. Das ermöglicht die Ausweisung von GLB in Siedlungsgebieten und Kulturlandschaften. Weiterhin benötigen GLB nicht den für Naturdenkmäler typischen Denkmalcharakter und erfahren keine Einschränkung durch eine maximal zulässige räumliche Ausdehnung. Die Abgrenzung zu Naturdenkmälern kann auch über die Schutzziele erfolgen. Während ein ND den Erhalt der Natur aus ästhetischen oder naturhistorischen Gründen und Forschungsinteressen bezweckt, liegt der Schutzfokus bei GLB eher auf der Funktionalität der Natur.

Ausweisung und Schutzzweck

Grundlage für die Festsetzung eines geschützten Landschaftsbestandteils können die eingangs genannten ökologischen und ästhetischen Schutzzwecke sein. Ein Objekt muss mindestens einen der vier Schutzgründe erfüllen, um als GLB ausgewiesen werden zu können. Die Ausweisung erfolgt in der Regel durch die zuständige Untere Naturschutzbehörde. Zur "Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes" zählen Aspekte wie Erosionsschutz, ein ausgeglichener Lufthaushalt oder Arten- und Biotopschutz. Objekte können hierbei auch dann unter Schutz gestellt werden, wenn erst in Zukunft ein Beitrag zur Funktionalität des Naturhaushaltes zu erwarten ist. Der zweite formulierte Schutzzweck befasst sich mit ästhetischen Gründen zur Ausweisung als GLB. Die "Abwehr schädlicher Einwirkungen" zielt auf Klima-, Boden- und Gewässerschutz sowie die Minderung von Lärm- und Schadstoffimmissionen ab. Der vierte Schutzzweck betont die Bedeutung von GLB für den Arten- und Biotopschutz und sichert insbesondere Kleinstlebensräume, wie z. B. Laich-, Brut- und Rastplätze wild lebender Tierarten. Einige Landesnaturschutzgesetze nennen weitere Schutzzwecke, wie beispielsweise den Biotopverbund oder die Sicherstellung der Nutzungsfähigkeit der Naturgüter.

Schutzintensität und Schutzregime

Die Schutzintensität von geschützten Landschaftsbestandteilen ist im Vergleich zu den anderen Schutzgebietstypen Deutschlands als intermediär einzustufen. In der Literatur wird sie mit der Schutzintensität von Naturdenkmälern gleichgestellt. Den GLB wird eine den Naturschutzgebieten ähnliche Effektivität bei der Erhaltung vorhandener Strukturen zugeschrieben und eine mit den Landschaftsschutzgebieten vergleichbare Wirksamkeit in Bezug auf den Biotopverbund anerkannt. Es existiert ein Katalog an Verboten (Beseitigung, Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des GLB). Das Schutzregime enthält außerdem Handlungspflichten, wie beispielsweise das Ersatzpflanzungsgebot, um die Funktionalität des Naturhaushaltes im Falle einer Bestandsminderung weiterhin zu gewährleisten. Eingriffe in geschützte Landschaftsbestandteile sind erlaubt, sofern sie als Pflegemaßnahmen zum Erhalt des Charakters des Objektes notwendig sind.

Geschützte Landschaftsbestandteile in Deutschland

Aufgrund der überwiegenden Kleinflächigkeit der GLB, der Ausweisung durch die Unteren Naturschutzbehörden und die zur Verfügung stehende Datenlage gibt es zu geschützten Landschaftsbestandteilen keine bundesweite Übersicht. Nachfolgend werden einige Beispiele für flächenhafte geschützte Landschaftsbestandteile aus den Bundesländern vorgestellt.

Ausgewählte geschützte Landschaftsbestandteile Deutschlands
Geschützter Landschaftsbestandteil Lage Gebietsfläche [ha] oder Länge Jahr der Ausweisung
Insel Kratzbruch und Liebesinsel BE 0,3 1999
18 strahlenförmig angeordnete Hecken um das Dorf Brunow MV 1,4 2016
Petersberg Erfurt (flächige Gehölze und Mauer) TH 2,2 ha der flächigen Gehölze; 600 m Länge der Mauer 1991
Alter Nördlicher Friedhof, München BY 4,1 1989
Amtsgarten der Stadt Halle ST 5,4 1994
Graben und Wälle der Zitadelle Mainz RP 8 1986
Niedermoorfläche südwestlich Egenburg BY 8 2005
Lindenallee an der Granatstraße und Holtwicker Straße im Kreis Recklinghausen NRW 9,7 km 1989
Halbtrocken- und Sandrasengesellschaften am Huckenhofer Weg, Eppelsheim RP 10 1997
Torfstiche nördlich des Latzigsees MV 19 2014
Eglofsteiner Weiher BY 22,6 1997
Die Höllen (Waldgebiet), Eberswalde BB 44,2 2004
Streuobstbestände von Linden-Leihgestern HE 45 1994
Katharinenbruch BB 79,7 1991
Weintinger Hölzl mit Aubach, Islinger Mühlbach und Quellgebiet Graben In der Au BY 80 1994
Ruhlsdorfer Rieselfelder BB 130 2015
Gesamtheit der Wallhecken NI unbekannt 1935
Großtrappenschongebiet Henneberg ST ca. 1079 2012

Literatur

Breyer, C. (2001): Rechtliche Inhalte der Kategorien Naturdenkmale und Geschützte Landschaftsbestandteile. - Naturschutz im Land Sachsen-Anhalt 38 (1), 55 - 61.

Jedicke, E. (2016): Schutzgebietskategorien und ihre Ausweisung. In: Riedel, W., Lange, H., Jedicke, E., Reinke, M. (Hrsg.): Landschaftsplanung. - Springer Reference Naturwissenschaften, Berlin-Heidelberg, 279 - 294.

Schmidt-Räntsch, J. (2003): Bundesnaturschutzgesetz Kommentar. In: Gassner, E.; G. Bendomir-Kahlo; A. Schmidt-Räntsch: Bundesnaturschutzgesetz: BNatSchG; Kommentar; unter Berücksichtigung der Bundesartenschutzverordnung, des Washingtoner Artenschutzübereinkommens, der EG-Artenschutz-Verordnungen, der EG-Vogelschutz-Richtlinie und der EG-Richtlinie "Fauna, Flora, Habitate" - Verlag C.H. Beck, München, S. 506 - 517.

Schumacher, A.; J. Schumacher; P. Fischer-Hüftle (2010): Bundesnaturschutzgesetz Kommentar. - Kohlhammer, Stuttgart, S. 441 - 449.

Tolkmitt, D. (2002): Die Leistungsfähigkeit des naturschutzrechtlichen Schutzgebietssystems des Bundes: unter besonderer Beachtung ökologischer Schutzziele. - Books on Demand. Dissert., 269 S.

Wegener, B. (2012): Kleinode unserer Heimat: Flächennaturdenkmale (FND) und Geschützte Landschaftsbestandteile (GLB) - Erfahrungen zur Erfassung im ehemaligen Landkreis Ludwigslust. - Naturschutzarbeit in Mecklenburg-Vorpommern - 55 (1), 11- 17.

Letzte Änderung: 14.07.2017

 Artikel drucken