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STELLA-Forschungsprojekt


Eiderente in Stellnetz, Foto: M.Vetemaa
Eiderente in Stellnetz, Foto: M.Vetemaa

STELLA-Forschungsprojekt angelaufen

Neues Projekt STELLA: Entwicklung von alternativen Managementansätzen und Fangtechniken zur Minimierung der Konflikte zwischen der Stellnetzfischerei und Naturschutzzielen und Schutzgütern in der deutschen AWZ der Ostsee (STELLA - STELLnetzfischerei-LösungsAnsätze)

Das BfN / Abteilung Meeresnaturschutz und das Thünen-Institut für Ostseefischerei haben vor kurzem ein umfangreiches gemeinsames Forschungsprojekt gestartet, um Lösungsansätze zu finden, den ungewollten Beifang von Seevögeln und Schweinswalen in der Stellnetzfischerei in der Ostsee zu minimieren. Der geförderte Umfang des Projektes beträgt rund 1,12 Mio €, dazu kommen Eigenmittel des Institutes für Ostseefischerei. Vier Doktoranden/innen sowie zwei Techniker/innen werden gemeinsam mit den beteiligten Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen des Instituts und der Abteilung Meeresnaturschutz am BfN, Insel Vilm, bis Ende 2019 alternative Managementansätze und Fangtechniken entwickeln und erproben.

Hintergrund und Zielsetzung

Für einzelne Vogelarten ist der Beifang in Stellnetzen eine der häufigsten Todesursachen, die sich unmittelbar auf die Bestandsentwicklung auswirkt. Das Beifangrisiko ist küstennah und auf Flachgründen besonders hoch, da sich sowohl überwinternde Seevögel als auch die Fischerei in diesen Gebieten konzentrieren. Der Schweinswal (Phocoena phocoena) ist die marine Säugetierart in der Ostsee, die am stärksten von Beifang betroffen ist.

Gesamtziel dieses Vorhabens ist es, signifikante Fortschritte auf dem Weg zur Lösung der bestehenden oder potentiellen Konflikte zwischen den fischereilichen Aktivitäten der passiven Fischerei (v. a. der Stellnetzfischerei) und dem Schutz von Seevögeln und Meeressäugetieren in der Ostsee zu erreichen.

Bisherige Arbeiten in diesem Themenfeld konzentrierten sich vor allem auf einzelne Fragestellungen, wie z. B. die Untersuchung fangtechnischer Möglichkeiten und die Entwicklung von Alternativen zum Stellnetzeinsatz oder auch die Erhebung von Daten zur aktuellen Beifangsituation. Diese thematisch enge Betrachtung hat bisher kaum zu einem besseren Verständnis der Ursachen und Mechanismen der Beifang-Problematik und insbesondere nicht zu den gewünschten technischen Lösungen geführt. Aus diesem Grund sollen in diesem Projekt verschiedene Aspekte zur Datenerhebung, zu fangtechnischen Lösungen und auch zum Verhalten der Fischer untersucht und entsprechende Konzepte und Methoden erarbeitet werden. Hierbei wird es besonders durch die enge Verknüpfung der einzelnen Themenschwerpunkte und dem daraus resultierenden Gesamtverständnis möglich, ganzheitliche Konzepte und Lösungen zu erarbeiten.

Konkret sollen u. a. verbesserte Aufwands- und Beifangdaten der Stellnetzfischerei erhoben werden. Aus der heterogenen Flotte der passiven Fischereien werden homogene(re) Fischereifahrzeugcluster identifiziert. Für diese Flotteneinheiten sollen dann geeignete Alternativen zur bisherigen Fangpraxis entwickelt werden. Dafür werden einerseits Strategien zur Vermeidung von Phasen mit hohen Beifängen identifiziert, andererseits Fanggeräte weiterentwickelt und getestet, die je nach Zielart in Zeit und Raum alternativ zu Stellnetzen eingesetzt werden können. Um die Effektivität bei der Umsetzung möglicher Maßnahmen zu steigern, soll die Bereitschaft der Fischer zur Anwendung der Lösungsvorschläge ermittelt werden. Die Szenarien können dann spezifisch für einzelne Fischereisegmente empfohlen werden.

Bisherige Ansätze zur Verringerung des potentiellen Konfliktes zwischen passiver Fischerei und den Schutzzielen beschränken sich auf die Entwicklung und Erprobung von möglichen Maßnahmen. Zu diesen Maßnahmen gehört auch der diskutierte Ausschluss der Fischerei aus bestimmten Gebieten bzw. die Reduzierung des Fischereiaufwandes. Da der tatsächliche Aufwand derzeit nicht bekannt ist, lässt sich auch der Erfolg solcher Maßnahmen kaum belastbar abschätzen. Untersuchungen zur Erhöhung der Akzeptanz der Schutzmaßnahmen in der Fischerei wurden bislang kaum durchgeführt, sind aber für die erfolgreiche Einführung essentiell. Diese Untersuchungen könnten sich z. B. auf die Verbesserung der Datenlage wie auf die Antriebe für die Verwendung modifizierter oder alternativer Fanggeräte beziehen.

 

Vorgehensweise

Die Laufzeit des Projektes ist mit 3 Jahren auf Ende 2019 terminiert. Die Arbeit ist in fünf Arbeitspakete (AP) aufgeteilt:

AP1 befasst sich mit der Verbesserung der Datenerhebung (Aufwand, Fänge, Beifänge) aus diesem Fischereisegment – diese Daten sind z.B. erforderlich für die Identifizierung homogener Flottensegmente in der passiven Fischerei und für die Ableitung zeitlich-räumlicher Schutzmaßnahmen, die die Fischerei möglichst wenig einschränken sollen, erforderlich.

AP2 versucht, Stellnetze so zu verändern, dass unerwünschte Beifänge so weit wie möglich reduziert werden und die Fängigkeit für die Zielarten dennoch so hoch wie möglich bleibt – hier müssen wir viel über das Verhalten der potentiellen Beifangarten lernen und dieses berücksichtigen.

AP3 untersucht die Anwendbarkeit alternativer Fanggeräte (darunter möglicherweise auch traditioneller Geräte) zur Beifangreduzierung, u.a. auch aufbauend auf den Ergebnissen anderer Forschungsvorhaben des BfN.

AP4 wird ermitteln, welche Anreize besonders geeignet sind, um die Fischerei zur Lieferung besserer Daten und zur Verwendung modifizierter Stellnetze oder alternativer Fanggeräte zu bewegen.

AP5 schließlich synthetisiert die Ergebnisse aus den verschiedenen Disziplinen Fischereibiologie, Fangtechnik und Sozialwissenschaften und leitet daraus Handlungsempfehlungen für die Politik ab, unter Berücksichtigung der Belange des Naturschutzes. Die Kommunikation mit der Fischerei und dem Auftraggeber ist für das Gelingen des Projektes von zentraler Bedeutung.

Die vier Doktoranden/innen haben zum Jahresanfang 2017 ihre Arbeit aufgenommen. Erste Projekt-Zwischenergebnisse werden bereits für Ende 2017 erwartet.

 

 Weitere Projekt-Information vom Thünen-Institut für Ostseefischerei.