Bundesamt für Naturschutz

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Vilm im Jahreslauf 2004

Eine Insel in Bewegung


Uferhang der Insel Vilm
Frisches Schwemmland
Blick über die Insel Vilm
Blick von der Insel Vilmüber das Meer

November 2004: Mit der kalten Jahreszeit beginnt eine Zeit der Umgestaltung für die Insel Vilm. Stürme, Wellenschlag und Eisschollen führen zu Abtragungen an den Steilküsten der Insel. Die dabei entstehenden frischen Abbruchflächen bieten einigen inzwischen selten gewordenen Arten Lebensraum. So nutzen z.B. Eisvögeln (Alcedo atthis) und Uferschwalben (Riparia riparia) die unzugänglichen Hänge um ihre Bruthöhlen dort anzulegen.

Was auf der einen Seite an Land verloren geht und alten Baumriesen zum Verhängnis werden kann, lagert sich an der anderen Seite der Insel wieder an. Das frische Schwemmland dient vielen Vögeln als Rastfläche. Die Flächen reichern sich so zusätzlich mit Nährstoffen an und werden schnell von Pionierpflanzen besiedelt, die das Neuland festigen. Der Prozess der Abtragung und Anlandung verändert das Gesicht von Vilm beständig. Historische Karten zeigen, dass die Fläche der Insel weitgehend gleich bleibt, der Umriss sich aber verändert.


Admirale bereisen Vilm


Admiral (Schmetterling)
Admiral (Schmetterling)
Admiral (Schmetterling)

Oktober 2004: In den Obstgärten auf Vilm rastet zur Zeit schneidiger Besuch. Der Admiral (Vanessa atalanta), ein Wanderfalter, labt sich an den heruntergefallenen Pflaumen. Die Flügeloberseite erinnert mit ihren prächtigen Farben an die elegante Uniform eines Marine-Admirals - daher der Name. Die Bezeichnung passt jedoch auch zu seinem unsteten Vagabundenleben. Der Falter überwintert in den warmen Gebieten am Mittelmeer und wandert

jedes Jahr neu über die Alpen nach Deutschland. Die Falter auf Vilm sind schon in der zweiten oder dritten Generation auf Wanderschaft. Sie haben sich an Brennnesseln (Urtica dioica) entwickelt, auf die die einwandernden Falter ihre Eier abgelegt haben, bevor sie ihre windgetriebene Wanderschaft wieder aufgenommen haben.


Tag der offenen Tür


Ankunft auf der Insel Vilm
Führung über die Insel
Geschminkte Kinder
begeisterte Kinder bei Clownvorstellung
Clowns bei Vorstellung

Essenspause

August 2004: Einmal im Jahr findet auf Vilm ein Tag der offenen Tür - oder vielleicht zutreffender: der offenen Mole - statt. An diesem Tag kann jeder mit einem der beiden Schiffe " INA " oder "Julchen" auf die Insel übersetzen. Die MitarbeiterInnen des Bundesamtes für Naturschutz stellen gemeinsam mit dem Nationalparkamt ein spezielles Programm für diesen Tag zusammen. Angeboten werden Führungen über die Insel, Filme und Infostände zum Naturschutz und verschiedene interessante Bastel-, Forscher- und Mitmachaktionen für Kinder. Dabei dreht sich alles um die Natur an Land und im Wasser.

Das Besondere in diesem Jahr waren die Natur-Ansichten von zwei Clowns. Ihren Vorstellungen folgten Kinder und Erwachsene gebannt. Der Künstlertradition der Insel weiter folgend, konnten mit der Camera obscura aufgenommene Baum-Bilder von Volkmar Herre bestaunt und erstanden werden.

Mehr als 700 Besucher kamen dieses Jahr nach Vilm. Über Kultur und Natur hinaus wurden sie von der Küche der Internationalen Naturschutzakademie mit Kuchen, Bratwurst, Fischbrötchen und anderen Köstlichenkeiten versorgt.


Hornfisch-Saison - Sommerstart


Hornfisch
blumenreicherr Strand der Insel Vilm

Juni 2004: Der Hornfisch kündigt den nahen Sommer an. Von Mai bis Juni ist Hornfischzeit in den Boddengewässern. Der Hornfisch oder auch Hornhecht (Belone belone) lebt in der übrigen Jahreszeit oberflächennah auf offener See. Ausschließlich im Frühling kommt er in die flachen Küstengewässer um dort abzulaichen. Die Eier werden an Algen und Seegräsern befestigt, dort können sie sich relativ gut vor Räubern geschützt entwickeln. Auch die Buchten rund um den Vilm gehören zur Kinderstube des Hornfisches. Bei Verfolgung versucht sich der Hornfisch durch lange Sprünge über dem Wasser zu retten. Auf Rügen wird er seit langer Zeit als Speisefisch genutzt und noch heute nach traditionellen nachhaltigen Methoden gefangen. Beim Verzehr des Fisches offenbart sich eine ganz kuriose Einzigartigkeit, seine Knochen haben eine quietsch-grüne Farbe. Sie entsteht durch den Farbstoff Vivianit. Warum der Farbstoff dort eingelagert ist, ist bisher unklar. Fest steht jedoch, die schrill grüne Farbe hat Vorteile für den Genuss, da sich die grünen Gräten (von denen der Fisch etliche besitzt) deutlich von dem weißen Fleisch abheben und so leichter entfernt werden können.


Frühlingsgefühle


Gänsesäger

April 2004: Die wärmer und heller werdenden Tage regen die Gänsesäger vermehrt zum Balzen an. An sonnigen Tagen schwimmen die Männchen erregt hin und her und unterbrechen ihr Schwimmen durch abrupte Wendungen und kurze Sprints. Scheinangriffe untereinander werden von Tauchen und kräftigem Spritzen begleitet. "Kopfstrecken" bis der Schnabel senkrecht in die Höhe weist oder "Flügelschlagen" wobei die rote Hinterbrust und der Bauch zur Schau gestellt werden, gehört ebenfalls zur Zeremonie. Noch sind unter den Gänsesägern rund um Vilm viele Wintergäste. Sind diese auf dem Weg in den Norden, bleiben die "Vilm-Bewohner" unter sich.

Sprung ohne Fallschirm

Die "Vilmer Gänsesäger" brüten, wie bei Gänsesägern üblich, in Baumhöhlen. Was zur Folge hat, dass die Küken, kaum einen Tag alt, diese in einer halsbrecherischen Aktion verlassen müssen, um zum Wasser zu kommen. Die erste Hürde ist es, von Innen zum Ausgang zu klettern. Ist das geschafft, folgt ein wagemutiger, manchmal 20 m hoher Sprung in die Tiefe.

Das erfolgreiche Comeback der Gänsesäger

Der Gänsesäger war im Binnenland lange ein sehr seltener Vogel. Heute ist er wieder auf dem Vormarsch und brütet an vielen Flüssen. Der eigentümliche Name der Gänsesäger kommt von dem in Anpassung an die Fischjagd mit vielen sägeartigen Lamellen versehenen Schnabel. Damit ist er ein sehr effizienter und erfolgreicher Fischjäger. Einige Fischer bzw. Angler empfinden ihn dadurch als Konkurrent und begrüßen seine Rückkehr nicht gerade mit Begeisterung. Im Gegenteil - viele möchten ihm gerne an den Kragen.


Totholz - Ein reichhaltiger Lebensraum auf Vilm


Eiche, Totholz

Januar 2004: Bei einem Rundgang um den großen Vilm fallen im Winter die vielen abgestorbenen Äste und Bäume auf. Im Sommer verbirgt das Laub sie zum großen Teil. Es ist eine Besonderheit der Naturschutzgebiete, dass alte Bäume nicht gefällt und auch ihre abgebrochenen Äste und die Strünke nicht entfernt werden. Dieses Holz ist aber nicht tot, wie der Name "Totholz" suggeriert, sondern steckt im Gegenteil voller Leben.

In Deutschland sind ein Viertel aller Käferarten direkt oder indirekt auf abgestorbenes Holz angewiesen. Da Totholz in vielen Wäldern Mangelware ist, werden heute 60 % dieser Arten als gefähr