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Moore - Entstehung, Zustand, Biodiversität


Was sind Moore?

Dürrerbühler Hochmoor (Allgäuer Moorallianz; Foto: U. Riecken)
Dürrerbühler Hochmoor (Foto: U. Riecken)

Moore sind Ökosysteme, in denen durch Niederschläge, Grundwasserzufluss, Oberflächen- oder Quellwasser der Boden permanent wassergesättigt ist. Abgestorbenes organisches, Material kann aufgrund von Sauerstoffmangel daher nicht, oder nur unvollständig abgebaut werden. Die Produktion organischer Substanz verläuft folglich schneller als deren Abbau. Auf diese Weise entsteht Torf (Anteil organischer Substanz > 30 %), der mit der Zeit an Mächtigkeit zunimmt und die Grundlage der Moore bildet. Je nach Ausprägung des Moores entwickeln sich hier sehr unterschiedliche, teilweise hoch spezialisierte Pflanzengesellschaften und Tiergemeinschaften.


Küstenmoor (Kooser Wiesen, Foto: A. Ssymank)
"Kooser Wiesen" an der Ostseeküste (Foto: A. Ssymank)
Erlenbruchwald (Foto: U. Riecken)
Erlenbruchwald (Foto: U. Riecken)

Welche Moortypen gibt es?

Die Entstehung und weitere Entwicklung eines Moores ist von vielen Faktoren abhängig. So ist es in seiner Ausprägung durch das Klima, die Geologie, das Relief, sowie den Wasser- und Stoffhaushalt beeinflusst.

Basierend auf der Herkunft des Wassers im Moorkörper lässt sich eine  grundsätzliche Einteilung in Hoch-, Zwischen- und Niedermoor vornehmen. So beziehen Hochmoore (ombrogene Moore) ihren Wasserüberschuss allein aus Niederschlägen, während Niedermoore (geogene Moore) von Grund- und Oberflächenwasservorkommen gespeist werden.

Bei einem Zwischenmoor sind die oberen Torfbodenschichten aufgrund des Höhenwachstums bereits von ihrem Zufluss entkoppelt und somit von Niederschlagswasser abhängig, während die unteren Torfschichten noch immer vom Grund- oder Oberflächenwasser beeinflusst sind.


Bedeutung der Moore für den Biodiversitätsschutz

Waldhyazinthe (Platanthera spec.; Foto: U. Riecken).)
Waldhyazinthe (Foto: U. Riecken)
Perlmutterfalter (Boloria spec.; Foto: U. Riecken)
Perlmutterfalter (Foto: U. Riecken)

Die extremen standörtlichen Bedingungen, im Bezug auf den Wasser- und Nährstoffhaushalt sowie die Bodenreaktion der Moore, erfordern eine gute Anpassung der hier lebenden Arten. Hoch spezialisierte Pflanzen- und Tierarten bilden folglich die charakteristischen Lebensgemeinschaften der Moore. Aufgrund ihrer Spezialisierung sind sie außerhalb der Moore konkurrenzschwach und meist nicht überlebensfähig. Darunter finden sich teilweiße auch Glazialreliktarten die heute nur noch an Sonderstandorten, wie z.B. in Mooren vorkommen. Die Artenzusammensetzung und -vielfalt ist jedoch abhängig von dem jeweiligen Moortyp und unterscheidet sich - insbesondere in den verschiedenen Klimazonen - stark. So gehören tropische Moorlandschaften zu den Ökosystemen mit der höchsten biologischen Vielfalt der Erde, während Moore in Europa vergleichsweise wenige dafür aber seltene Arten aufweisen. Mit der Zerstörung der Moore verlieren diese charakteristischen Arten ihren Lebensraum, so dass die meisten Moorarten stark gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht sind. Moore sind folglich wertvolle Lebensräume für viele  seltene Arten.


Situation und Erhaltungszustand der Moore

Weltweit

Verbreitung der Moore weltweit (© SUCCOW und JESCHKE 1990)
Graphik Verbreitung der Moore weltweit aus SUCCOW und Jeschke 1990

Weltweit erstrecken sich Moore über eine Fläche von etwa 4 Millionen km² und finden sich in 90 % aller Staaten. Die Verteilung auf der Erde ist sehr inhomogen, so liegen die größten Flächen in Kanada, Alaska, Nordeuropa, Sibirien und Südostasien. Noch fast 80% der weltweiten Moorfläche ist im natürlichen Zustand. Ein Großteil dieser intakten Moore liegt in nur dünn besiedelten, landwirtschaftlich schlecht nutzbaren Gebieten, vor allem in Kanada, Alaska und Sibirien. In Erdteilen mit hohem Bevölkerungsdruck und Flächenbedarf, wie in Europa und Südostasien, gibt es jedoch kaum noch ungestörte Moore. Hier wurden große Teile für die landwirtschaftliche oder forstliche Nutzung entwässert, der Torf abgebaut, oder als Siedlungs- oder Infrastrukturfläche bebaut. In Indonesien und Malaysia wurden in den letzten 20 Jahren in großem Umfang Moorwälder entwässert und in Ölpalm- und Acacia-Plantagen umgewandelt. Etwa 900.000 km² Moore sind weltweit so stark zerstört, dass keine Torfbildung mehr stattfindet und der Torf teilweiße oder ganz verschwunden ist. Jährlich verringern sich die weltweiten Torfvorräte um ungefähr 0,2 % ( Joosten 2012).

In Europa

Verlust wachsender Hochmoore in ausgewählten EU-Staaten (nach Succow & Joosten 2001)  Datentabelle zur Abbildung
Graphik zum Verlust wachsender Hochmoore in ausgewählten EU-Staaten von 1700 bis 2000 (nach Succow & Joosten 2001)

Die große Bevölkerungsdichte in Europa hat einen hohen Flächen- und Energiebedarf zur Folge; der Nutzungsdruck auf die Landschaft und damit auch auf die Moore ist dementsprechend stark. Intakte Moore sind daher sehr selten geworden. Europa hat im Vergleich zu  allen anderen Kontinenten die größten Verluste zu verzeichnen. Auf 57 % der ehemaligen Moorfläche findet kein Torfwachstum mehr statt, in vielen Staaten Europas wurden die Moore sogar auf unter 10 % ihrer ursprünglichen Ausbreitung zurückgedrängt.

In Deutschland, Großbritannien, Island, Dänemark, den Niederlanden und der Schweiz sind die Verluste vor allem durch den hohen Flächenbedarf für die landwirtschaftliche Nutzung begründet. In Finnland, Irland und Schweden liegt die Hauptursache des Moorschwunds im großflächigen Torfabbau für die Energiegewinnung. In anderen Staaten z.B im Baltikum, Weißrussland und Russland spielt der Torfabbau zur Substratgewinnung für den Gartenbau und private Gärten (insbesondere in Westeuropa) eine entscheidende Rolle.

Während in vielen Staaten nahezu alle Moore inzwischen degradiert sind, gibt es innerhalb Europas auch Regionen in denen die Moore einem geringeren Nutzungsdruck unterliegen, so ist in Norwegen noch 80 % der Moorfläche erhalten.